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12.11.2010

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Vorsicht, singende Kinder!

GEMA kassiert beim Laternenumzug

Wenn am Sankt-Martinstag die Kinder mit ihren Laternen durch die Straßen der Städte und Dörfer ziehen, dann kann das dieses Jahr weitgehend schweigend geschehen. Denn nach Angaben des Musikrechte-Verwerters GEMA werden für das Kopieren aus Liederbüchern Lizenzgebühren fällig und ohne Liedtexte fällt es dem einen oder anderen doch schwer mehrere Strophen Martinslieder mitzusingen.

Konkret bedeutet das, die Erzieherinnen dürfen im Kindergarten mit den Kindern singen, sobald sie aber dieses auf einem Fest oder gar bei einem traditionellen, Kultur und Identität stiftenden Laternenumzug tun, gilt das als öffentlicher Auftritt und ist gebührenpflichtig. Das war rechtlich gesehen wohl schon immer so, doch hat die GEMA bis dato diese Gebühren den Kindergärten nicht abverlangt.

Allerdings in Zeiten von Harz IV und Aufschwung muß bei Tausenden von sangesstarken Kindergärten in Deutschland auch die GEMA sehen, wo sie bleibt. Rechnen wird sich da jede einzelne Kopie. Und die muß die Erzieherin jetzt in der Tat dokumentieren und abrechnen. Dafür ist sie offensichtlich ausgebildet.

Für Schulen zahlt das Ministerium eine GEMA-Pauschale, so daß der Schulchor z.B. zum Geburtstag vom Bürgermeister fröhlich singen kann.

Erste Gespräche zwischen GEMA und Sozialministerium fanden nun auch hier statt. Wie die Kosten einer solchen Vereinbarung zwischen Staat, Musikindustrie und Trägern der Kindergärten aufgeteilt werden könnten, wurde dabei allerdings nicht geklärt.

Wir müssen uns nicht fragen, warum sich unser Staat einen solchen Eingriff in diesen letzten Rest noch existierendes, lebendiges Kulturleben gefallen läßt. Beim Laternenumzug werden generationenübergreifend Lieder in unserer Muttersprache gesungen, was bei einem Schul- oder Kinderchor mittlerweile nicht mehr unbedingt der Fall ist. Dazu ist es ein Erlebnis für die Kinder mit den leuchtenden Laternen gemeinsam durch den dunklen Abend zu laufen.

Wir wünschen uns einen Staat, der in solchen Fällen durchgreift, den Rechteinhabern auf die Finger klopft und klarstellt, daß zwischen kommerziellem und ehrenamtlichem Singen unterschieden werden sollte!

Beim kindergärtlichen Laternenumzug verdient niemand einen Pfennig, im Gegenteil die Erzieherinnen opfern ihre Freizeit und die Eltern spenden Kuchen. Das tun sie nicht, um die Wirtschaft anzukurbeln und dafür Kopien zu zählen, zu dokumentieren und zu bezahlen, sondern einzig und allein für das Wohlergehen unserer Kinder und die Vermittlung von Werten, wie im Falle von Sankt Martin, des Teilens, des Miteinanders und der Wohltäterschaft. Hier Gewinnmöglichkeit zu wittern und die Hand aufzuhalten ist im höchsten Maße unmoralisch.

Einen treffenderen Anlaß als den Martinsumzug hat die Institution GEMA zur Schulung in Sachen Destruktivität eines ungezügelten Kapitalismus nicht finden können.

Dieses Jahr werden folglich ein paar ratlose Eltern mitstolpern und zwischen den, in der Masse vereinzelt tapfer singenden Erzieherinnen den Refrain gerade noch mitsummen dürfen.

Kulturelle Verarmung für die einen, materielle Bereicherung für die anderen, so das Motto des diesjährigen Sankt-Martin-Festes in der BRD!

Sigrid Schüßler


 

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