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10.01.2014
Niedersachsen

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Organspende. Ist jetzt alles transparent und gut?

Am gestrigen 09. Januar haben im Neuen Rathaus in Hannover DGB-Chef Michael Sommer, Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt, der evangelische Ethiker Dr. Michael Coors, DSO-Nord-Geschäftsführer Dr. Matthias Kaufmann und Transplantationsmediziner Prof. Axel Haverich über die Organspende geredet. Diskussion wäre zu viel gesagt, weil sich in bundesrepublikanischer Manier schon vor dem ersten gesagten Wort alle Gesprächsrundenteilnehmer im wichtigsten Punkt einig waren.

Nötig sind solche öffentliche Veranstaltungen, nachdem nach dem Transplantationsskandal von 2012, bei dem die Manipulation der Wartelisten für Spendeempfänger bekannt wurde, die Anzahl der Organspender in Deutschland von 1104 Personen in 2011 auf nur noch 812 Personen gesunken ist. In Niedersachsen ging die Zahl der gespendeten Organe von 310 in 2011 auf 222 in 2013 zurück. Obwohl in der Zwischenzeit die Anzahl der Personen, die einen Organspendeausweis bei sich tragen stark gestiegen sein dürfte, da die Krankenkassen ihre Mitglieder angeschrieben haben und einen oder mehrere Organspendeausweise zugeschickt haben. Laut einer BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)-Studie besitzen zurzeit 22 Prozent in der Bundesrepublik einen Organspendeausweis.

Bei der Organspende wird wieder einmal auf eine Nationale Politik verzichtet. Die zuständige Gesellschaft für die Spenderorgane (Eurotransplant) ist in den Benelux-Länder, Deutschland und Österreich sowie in Slowenien und Kroatien für die Spenderlisten zuständig. Es kann also gut sein, dass der Organspender in Deutschland seine Organe für einen Kroaten entnommen bekommt, während in Deutschland weiter Menschen auf ein Organ warten müssen.

Bei der Erklärung zur Organ-und Gewebespende hat man auch leider nur die Möglichkeit anzukreuzen, ob

  • -  Die Organspende ohne Einschränkungen vorgenommen wird
  • -  Nur bestimmte Organe / Gewebe gespendet werden
  • -  Bestimmte Organe / Gewebe nicht gespendet werden
  • -  Keine Organe gespendet werden sollen
  • -  Eine andere Person darüber entscheiden soll

Leider bleiben viele Möglichkeiten ungenutzt, die manchen Bürger zur Spende animieren könnte. So wären mehr Menschen zur Spende bereit, wenn man die Empfängerkriterien selber festlegen dürfte, beispielsweise:

  • -  Meine Organe / Gewebe sollen nur an Personen in Deutschland vergeben werden
  • -  Meine Organe / Gewebe sollen nicht an Personen über 60 Jahre gespendet werden
  • -  Meine Organe / Gewebe sollen nur an Personen gespendet werden, die ebenfalls einen Organspendeausweis bei sich tragen.
  • -  …

Interessant ist auch der religiöse Aspekt. So schreibt Wikipedia zu der Spendebereitschaft der Muslime in Deutschland: „Die Spendenbereitschaft unter Muslimen in Deutschland wird von Medizinern als sehr gering eingeschätzt, während sie in islamischen Ländern höher liegt. Nach Auffassung einiger islamischer Rechtsgelehrter ist die Organspende von einem Nicht-Muslim zu einem Muslim zwar möglich, jedoch nicht umgekehrt. Mit der in Deutschland sehr großen Wahrscheinlichkeit, dass das Organ an einen Nicht-Muslim geht, erklärt sich die geringe Spendenbereitschaft.“

Der Transplantationsskandal, an dem ausländische Ärzte in Deutschland beteiligt waren, ist auch nur mangelhaft aufgeklärt und die Konsequenzen gleichen mehr einer Kosmetik, als einem radikalen Umdenken. Wieso entscheidet eine Stiftung über die Vergabe von Organen und keine staatliche Organisation?

Man kann es zwar begrüßen, dass die Leute sich entscheiden sollen, ob sie ihre Organe und ihr Gewebe spenden sollen. Aber gerade die Politiker und auch die werbenden Prominenten sollten vielleicht mal gerade die Leute fragen, die nicht spenden wollen. Gerade wenn bessere Wartelistenplätze käuflich waren (und sind?), sollte man sich fragen, ob es eine gute Idee ist Prominente für die landesweite Kampagne „Du fehlst mir!“ einzuspannen, da gerade die prominenten Bürger in diesem System auch über das notwendige Kleingeld verfügen, um sich auf der Spendenliste höher einzukaufen.

Jeder sollte selber entscheiden ob er seine Organe und sein Gewebe spenden will. Jedoch sollte man nicht nur jammern, wenn sich viele Bürger gegen die Organspende aussprechen, sondern vielleicht offen nachfragen, warum sie auf dem Organspendeausweis oftmals „Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben“ ankreuzen.

(DD)

-Pressemitteilung Landesregierung

-Wikipedia zur Organspende

Foto: Günter Richter / www.pixelio.de

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